Villa Cargnacco
Home Vor dem Eingang

1 Vestibolo
Das Vestibül


2 Stanza del Mascheraio
Zimmer des Maskenträgers

3 Stanza della Musica
Musikzimmer


4 Stanza del Mappamondo
Zimmer der Weltkugel


5 Zambracca
Sterbezimmer


6 Veranda dell'Apollino
Apollinische Veranda


7 Stanza della Leda
Zimmer des Gefangenen


8 Bagno blu
Blaues Badezimmer


9 Hausapotheke

10 Stanza del Lebroso
Zimmer des Aussätzigen


11 Corridoio della Via Kreuzgang

12 Stanza delle Reliquie
Reliquienzimmer


13 Oratorio Dalmata
Warteraum


14 Scrittoio del Monco
Schreibzimmer des Verstümmelten

15 Officina
Die Werkstatt


16 Corridoio del labirinto
Bibliothek


17 Stanza della Cheli
Speisesaal


18 Cucina
Küche
Villa Cargnacco
Kritiken 7 Termine

Führerin: "Zambracca, das Sterbezimmer. Es ist das erste Zimmer im Schlafbereich des Hauses. Der Name, ein altes Wort, bedeutet Kammerfrau."

Führer: "Weltliches oder gemeines Weib, ohne jeglichen Vorzug, Dirne, zuweilen für Zofe oder vielmehr schmutzige, ungepflegte Dienerin."

Führerin: " Es war Vorzimmer, Garderobe und Privatstudio. An diesem Tisch starb der Dichter an einer Gehirnblutung, kurz vor zwanzig Uhr, am ersten März Neunzehnhundertachtunddreißig."

D'Annunzio: "Bei uns gibt es nur einen politischen Weg: Zerstören. Was jetzt ist, ist nichts, ist Moder, ist der Tod, ist gegen das Leben."

Flüsterer: "Deutet Kindheitserlebnisse als Zeichen der Vorsehung, nimmt wie geblendet Details wahr, zapft Kollektiverlebnisse an, klebt seinen Namen daran, kritisiert die kleinen Villen der Drogenhändler, besucht Salons, Flugplätze und Hunderennen, kommt in Rom nach einem Duell durch falsche medizinische Behandlung zu seiner Glatze, lässt sich bei einem nächtlichen Spaziergang nackt an einen Baum fesseln, kann Analogien wahrnehmen, entdeckt immer neue Konkordanzen zwischen idealen Kreaturen und dem unmittelbaren Gebäude des Universums, gibt Briefen Haare bei, flößt Bilder ein, erzeugt Harmonien, die die Grenzen des Menschlichen überschreiten, besticht durch die Sorgfalt der Beschreibung, will sterben, weil er das Leben nicht in Einklang mit seinen Träumen bringen kann, ist wie von Furien gepackt, wird enorm bezahlt, beklagt sich trotzdem, hat nichts mehr, keine Pferde, nur noch Hunde, droht, vor Melancholie zu sterben, ißt nur noch einmal am Tag, vermißt schöne Dinge, entdeckt die glorreiche Zeit der kriegerischen Schifffahrt, verkündet eine neue Welt auf den Trümmern des Germanentums, will den Krieg mit Flugzeugen gewinnen, wirft Bomben und Flugblätter ab, schießt Torpedos auf österreichische Schiffe, verfasst Reden, inszeniert Begräbnisse, uniformiert seine Gefolgschaft, gibt Massenaufmärschen eine geometrische Anordnung, sucht die Einsamkeit, macht aus sich selbst eine Insel, kontrolliert sein Bild in der Öffentlichkeit, will seine Jugendlichkeit und Frische, seine Schnelligkeit und Lebhaftigkeit beweisen, verbringt sein Leben in völliger Abgrenzung von der Außenwelt, ordnet seine Schriften, schreibt überlange Telegramme an die Regierung, redet von Werken, die nie geschrieben wurden, droht sich mit dem Revolver umzubringen, sperrt sich für Tage in sein Zimmer ein, legt immer wieder Platten von Debussy auf, lässt sich Frauen zuführen, läßt sie im "Zimmer der Schildkröte" speisen, im Blauen Bad baden, gibt ihnen passende Gewänder zum Anziehen, macht sie mit Kokain und Opium drogenabhängig, kann nicht schlafen, wird vom Zorn überfallen, verweigert das Essen, fühlt sich gedemütigt, sitzt selten mit seinen Gästen bei Tisch, schläft zu jeder Tageszeit, leidet unter Magen- und Atembeschwerden, schläft nur noch mit Narkotika, wird zum Hypochonder, sieht katastrophal aus, ohne Zähne, mit seiner großen Zunge und eingefallenen Lippen, nur noch Falten, aber wie aufgedunsen, stirbt am Schreibtisch in der Zambracca, wird im braunen Schlafanzug vom Sessel auf das Bett getragen, sieht dabei aus wie eine Marionette."

 
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Heinz Emigholz
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